

Wie Architekten Teppiche einsetzen, um einen Raum zu verankern
Die besten Architekten, die ich kenne, behandeln einen Teppich so, wie ein Bildhauer einen Sockel behandelt. Er ist keine Dekoration. Er ist das, was allem anderen erst Sinn verleiht.
In den vergangenen zwei Jahrzehnten, in der Zusammenarbeit mit Architekten und Innenarchitekten in ganz Europa und darueber hinaus, habe ich dasselbe Gespraech dutzendfach erlebt. Ein Projekt erreicht einen bestimmten Punkt. Der Stein ist verlegt, die Tischlerarbeiten sind abgeschlossen, die Moebel stehen, und dennoch bleibt etwas ungeloest. Der Raum hat alle richtigen Zutaten und will sich trotzdem nicht zusammenfuegen. Fast immer liegt die Antwort auf dem Boden.
Der Teppich als raeumliche Architektur
Wenn Architekten bei TVR auf mich zukommen, denken sie selten isoliert an Muster oder Farbe. Sie denken an Proportion. Ein Teppich definiert die Grenze eines Sitzbereichs so, wie eine Wand einen Raum definiert. Er sagt dem Koerper, wo das eine Territorium endet und das andere beginnt. Das ist keine Entscheidung ueber Wohntextilien. Es ist eine architektonische Entscheidung.
Der haeufigste Fehler, den ich sehe, auch bei ansonsten anspruchsvollen Projekten, ist ein zu klein bemessener Teppich. Ein Stueck, das nur unter dem Couchtisch liegt, waehrend die Sofabeine auf blankem Boden schweben, erzeugt eine visuelle Insel statt eines Raums. Die Moebel sollten entweder ganz auf dem Teppich stehen oder ganz daneben. Alles dazwischen wirkt wie ein Versehen.
Architekten, die das verstehen, spezifizieren Teppiche frueh im Entwurfsprozess und behandeln Florhoehe, Knotendichte und Faserwahl mit derselben Strenge wie Materialoberflaechen. Ein flach geknuepftes Stueck aus handgesponnener Wolle wirkt architektonisch und zurueckhaltend, passend zu einer Bibliothek mit dunklem Holz oder einem minimalen Empfangsraum aus hellem Kalkstein. Ein hoeherer Flor mit Akzenten aus Naturseide bringt Licht und Bewegung ins Spiel und lenkt den Blick nach unten, sodass ein hoher Raum eher intim als ueberwaeltigend wirkt.
Farbe, Textur und die Logik der Zurueckhaltung
Die Architekten, mit denen ich am liebsten zusammenarbeite, kommen mit einer klaren Materialpalette und der Bereitschaft, praezise zu sein. Sie wissen, dass ein Teppich kein neutraler Hintergrund ist. Jedes Element seiner Konstruktion beeinflusst, wie sich das Licht im Raum verhaelt.
Naturseide, die wir gezielt in unseren in Nepal und India gewebten Stuecken einsetzen, hat einen gerichteten Glanz. Sie faengt Licht je nach Blickwinkel unterschiedlich ein, was bedeutet, dass derselbe Teppich warm oder kuehl, blass oder gesaettigt erscheinen kann, je nachdem, wo man steht. Das ist kein Makel, den man in den Griff bekommen muss. Es ist eine Eigenschaft, mit der man gestalten kann. Ich rate Architekten immer, Muster in den tatsaechlichen Projektraum zu bringen, statt Entscheidungen unter Studiolicht zu treffen.
Handgesponnene Wolle hingegen besitzt eine Feinheit, die maschinell gesponnene Fasern nicht nachbilden koennen. Die kleinen Unregelmaessigkeiten im Garn erzeugen eine Oberflaeche, die Licht aufnimmt und streut, statt es zu spiegeln, was einem Raum eine Qualitaet visueller Ruhe verleiht. In Raeumen, in denen ohnehin viel geschieht (kontrastreiche Materialien, starke architektonische Gesten), kann genau das gefragt sein.
Unsere Produktion in Nepal und India wird von Kunsthandwerkern mit ueber Generationen weitergegebenem Wissen zum Handknuepfen ausgefuehrt, und wir sind Care & Fair zertifiziert. Das ist fuer uns kein Etikett zum Vorzeigen, sondern Ausdruck davon, wie dieses Handwerk unserer Ueberzeugung nach ausgeuebt werden sollte. Wenn ein Architekt einen unserer Teppiche spezifiziert, trifft er eine Entscheidung, die weit ueber das Sichtbare hinausreicht.
Wie man einen massgefertigten Teppich in Auftrag gibt
Fuer Architekten, die eine massgefertigte Arbeit in Erwaegung ziehen (und so beginnt ein grosser Teil unserer Projekte), ist der Ablauf einfacher, als viele erwarten. Was ich zu Beginn brauche, ist kein Entwurf, sondern eine Reihe von Rahmenbedingungen: die Masse, das Bodenmaterial darunter, die Hauptlichtquelle, die dominierenden Materialien im Raum und die Stimmung, die der Raum erzeugen soll. Von dort aus arbeiten wir gemeinsam an Faser, Knotendichte, Florhoehe und Farbwelt.
Die Knotendichte verdient besondere Aufmerksamkeit. Eine hoehere Knotendichte erlaubt mehr Aufloesung im Design, feinere Linien und praezisere Farbuebergaenge, ist aber nicht per se ueberlegen. Fuer kraeftige, architektonische Muster oder grosse einfarbige Flaechen bringt eine niedrigere Knotendichte in schoener handgesponnener Wolle oft ein ehrlicheres und stimmigeres Ergebnis als ein ueberkonstruiertes Stueck, das nach einer Praezision strebt, die es gar nicht braucht.
Die Architekten, die zu uns zurueckkehren, und viele tun das, Projekt fuer Projekt, verstehen, dass ein auf diesem Niveau in Auftrag gegebener Teppich eine langfristige Entscheidung ist. Richtig gepflegt wird ein handgeknuepftes Stueck aus hochwertigen Naturfasern das meiste ueberdauern, was es umgibt. Das ist keine Kleinigkeit in einer Disziplin, deren Anspruch die Bestaendigkeit ist.
Wenn Sie an einem Projekt arbeiten und besprechen moechten, welche Rolle ein massgefertigter Teppich darin spielen koennte, freue ich mich auf das Gespraech.
Kontaktieren Sie uns oder besuchen Sie unseren Showroom in Evergem, Belgien.
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